Rebecca Maria Jäger
FrauenZimmer

Nikola Röthemeyers kleinformatige Arbeiten der Werkreihe »FrauenZimmer« zeigen sich sowohl inhaltlich, als auch zeichnerisch mehrschichtig. Im Zentrum der Bilder stehen Frauen, die durch scharfe Konturen und kräftige, kontrastreiche Farben dargestellt sind. Gepaart mit ihrer fast stoisch wirkenden Mimik und ihrer stolzen, selbstbewussten Körperhaltung, strahlen sie Klarheit und Präsenz aus. Autark und selbstreferenziell scheinen sie durch nichts beeinflussbar, im absoluten Einverständnis mit ihrem Sein. In Tätigkeiten versunken, schaffen sie einen Bildraum, der nicht nur zeichnerisch unbegrenzt bleibt. Dem Papier als Träger der Zeichnungen kommt die Aufgabe zu, den materiellen Grund für die Figuren, den Raum für die Zeichnungen abzugeben. Doch auch die Grenzen des Papiers können den Raum nicht einschränken, der sich beim Betrachten von Röthemeyers Arbeiten auftut.

In der Serie »FrauenZimmer II« sind die Frauen vornehmlich mit Tieren abgebildet, die zeichnerisch sehr viel fragiler und unbestimmter wirken. Sie erscheinen fein schraffiert und oft ohne Konturlinien; sehen aus, als ob sie sich aus dem Bildgrund erheben, um sich an die weiblichen Figuren zu schmiegen, diese mal umhüllen, mal verdecken wollen. Ihr Auftauchen wirft Fragen auf, deren Antworten nur Vermutungen sein können. So wird der konzentrierte, stille und geschlossene Eindruck, den die Frauen vermitteln, erweitert um traumhafte Sphären, Ahnungen oder Wünsche, die den Betrachter in die Welt der Assoziationen locken. Es scheint, als wohne man einem transformatorischen Prozess bei, in dem zwei zeichnerische Ebenen zu einer symbolischen Entität werden.

Immer wieder Bezug nehmend auf Mythologie und Kunstgeschichte, entführen Röthemeyers Arbeiten in einen gedanklichen, zur Interpretation animierenden Bildraum, der durch eine Vielzahl von Zimmern führt. Gleichzeitig ist es durchaus reizvoll, im Angesicht der malerischen Qualitäten ihrer Bilder zu verharren.

in: RISING – Young artists to keep an eye on, DAAB Verlag, Köln 2011